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SAP Sustainability (Green Ledger, Footprint Management)

SAP Sustainability ist die Produktfamilie von SAP für Nachhaltigkeitsdaten. Sie besteht aus vier Bausteinen: Footprint Management berechnet CO2-Bilanzen, Green Ledger verbucht sie nach Regeln der Buchhaltung, der Control Tower berichtet sie, und der Data Exchange tauscht Produktdaten mit Lieferanten aus.
Definition

Was ist SAP Sustainability?

Die vier Produkte werden regelmäßig verwechselt, obwohl ihre Aufgaben klar getrennt sind. SAP Sustainability Footprint Management rechnet: Es ermittelt Unternehmens- und Produktbilanzen über alle drei Scopes des Greenhouse Gas Protocol und greift dafür auf zehntausende hinterlegte Emissionsfaktoren zurück. SAP Green Ledger rechnet nicht. Es nimmt vorhandene CO2-Werte auf und verbucht sie nach doppelter Buchführung, mit Soll und Haben, Kostenstelle und Profitcenter, parallel zur Finanzbuchhaltung.

Green Ledger ist seit Dezember 2024 allgemein verfügbar und läuft als eigene Anwendung auf der SAP BTP. Es spiegelt die Struktur des Universal Journal, führt aber ein eigenes Ledger. Voraussetzung ist SAP S/4HANA in einer der Cloud-Editionen oder On-Premise, ein ECC-System reicht nicht. Wer also von einem ECC aus startet, hat vor dem Nachhaltigkeitsprojekt ein ERP-Projekt. Diese Reihenfolge wird in Angeboten gern übersprungen.

Der regulatorische Rahmen hat sich 2026 grundlegend gedreht. Mit der Omnibus-Richtlinie hat die EU den Anwendungsbereich der CSRD massiv verengt: Berichtspflichtig sind künftig nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und über 450 Millionen Euro Umsatz, erstmals für Geschäftsjahre ab 2027. Ein großer Teil des Mittelstands fällt damit heraus. Wer heute mit CSRD-Fristen Druck aufbaut, argumentiert an der Rechtslage vorbei.

Funktionen

Wie funktioniert SAP Sustainability?

Der tatsächliche Treiber heißt inzwischen CBAM. Der CO2-Grenzausgleich der EU ist zum 1. Januar 2026 in seine endgültige Phase eingetreten. Importeure oberhalb der Mengenschwelle müssen für die enthaltenen Emissionen Zertifikate erwerben und abgeben. Das ist keine Berichtspflicht mehr, sondern eine finanzielle Verbindlichkeit mit direkter Wirkung auf die Bilanz. SAP hat darauf reagiert und Green Ledger im ersten Quartal 2026 um Zertifikatsdaten und CO2-Verbindlichkeiten erweitert.

Der zweite Treiber kommt aus der Lieferkette. Automobilhersteller und Industriekunden verlangen produktbezogene CO2-Werte von ihren Lieferanten, unabhängig davon, ob eine Berichtspflicht besteht. Dafür gibt es SAP Sustainability Data Exchange, das Produktbilanzen nach den Standards von WBCSD PACT und Catena-X mit Geschäftspartnern austauscht. Wer als Zulieferer im Automobilumfeld arbeitet, kommt an diesen Anforderungen vorbei, auch wenn die CSRD ihn nicht mehr erfasst.

Vorteile
CO2 in Buchhaltungslogik

Green Ledger verbucht Emissionen mit Soll und Haben entlang derselben Dimensionen wie die Finanzbuchhaltung, was Zuordnung und Prüfbarkeit deutlich verbessert.

Emissionsfaktoren mitgeliefert

Footprint Management bringt zehntausende hinterlegte Faktoren mit, sodass nicht jeder Wert einzeln recherchiert werden muss.

Anschluss an Normen

Produktbilanzen lassen sich über etablierte Standards wie WBCSD PACT und Catena-X mit Kunden und Lieferanten austauschen.

CBAM ist abgebildet

Zertifikatsdaten und CO2-Verbindlichkeiten sind seit dem ersten Quartal 2026 im Green Ledger vorgesehen.

Grenzen
Green Ledger rechnet keine Bilanz

Es verbucht CO2-Werte, es ermittelt sie nicht. Ohne Footprint Management oder eine andere Quelle davor bleibt das Ledger leer. Angebote, die Green Ledger allein als CO2-Lösung verkaufen, sind unvollständig.

Ohne SAP S/4HANA und BTP geht nichts

Für ein ECC-Haus ist Green Ledger kein Projekt, sondern erst die Folge eines ERP-Projekts. Diese Voraussetzung fällt in Präsentationen regelmäßig unter den Tisch.

Scope 3 hängt an den Lieferanten

Vorprodukte lassen sich nur so genau bilanzieren, wie Lieferanten Daten liefern. Der EU-Omnibus gibt kleineren Lieferanten sogar ausdrücklich das Recht, Anfragen über einen Standardsatz hinaus abzulehnen.

Die Regulierung ist in Bewegung

Anwendungsbereich und Standards wurden 2025 und 2026 mehrfach geändert. Wer heute eine Architektur auf eine bestimmte Berichtspflicht auslegt, baut auf beweglichem Grund.

FAQ

Häufige Fragen zu SAP Sustainability (Green Ledger, Footprint Management)

Berechnet SAP Green Ledger unseren CO2-Fußabdruck?
Nein. Green Ledger verbucht CO2-Werte nach den Regeln der doppelten Buchführung, es ermittelt sie aber nicht. Die Berechnung übernimmt SAP Sustainability Footprint Management oder eine andere Quelle davor. Ohne diesen vorgelagerten Schritt bleibt das Ledger ohne Inhalt.
Sind wir nach dem EU-Omnibus noch CSRD-pflichtig?
Nur oberhalb der neuen Schwellen: mehr als 1.000 Beschäftigte und über 450 Millionen Euro Umsatz, beides zusammen. Erstmals gilt das für Geschäftsjahre ab 2027. Ein großer Teil des Mittelstands, der sich zuvor vorbereitet hat, fällt damit aus der Pflicht heraus.
Was ist dann der eigentliche Grund für ein Projekt?
Meist CBAM und die eigenen Kunden. Der CO2-Grenzausgleich der EU läuft seit Januar 2026 in der endgültigen Phase und erzeugt echte Zahlungspflichten für Importeure oberhalb der Mengenschwelle. Parallel verlangen Industriekunden produktbezogene CO2-Werte von ihren Lieferanten, unabhängig von jeder gesetzlichen Berichtspflicht. Beide Treiber wirken sofort und nicht erst 2028.
Funktioniert Green Ledger mit unserem SAP ECC?
Nein. Voraussetzung ist SAP S/4HANA, dazu die SAP BTP als Plattform. Für ein ECC-Haus steht damit zuerst das ERP-Projekt an und erst danach das Nachhaltigkeitsthema. Wer diese Reihenfolge übergeht, plant auf einer Grundlage, die es im eigenen Haus noch gar nicht gibt. Angebote verschweigen diese Voraussetzung erstaunlich häufig.
Wie genau sind die berechneten Werte?
So genau wie die Eingangsdaten. Footprint Management rechnet wahlweise mit hinterlegten Durchschnittsfaktoren, mit echten Ist-Werten oder mit einer Mischung aus beidem. Eine Buchung im Green Ledger ist deshalb nicht automatisch ein Ist-Wert. Über die Belastbarkeit der Zahlen entscheidet am Ende die Datenqualität und nicht das Werkzeug.

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Gabriele Görtz, Head of Sales & Growth
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