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Fit-to-Standard

Fit-to-Standard ist eine Workshop-Methode aus SAP Activate, in der Fachbereiche prüfen, ob die Standardprozesse von SAP S/4HANA ihre Anforderungen abdecken. Abweichungen vom Standard müssen dabei begründet werden, statt automatisch in individuelle Anpassungen zu münden. Ziel ist ein System, das möglichst nah am SAP-Standard bleibt und einfacher zu betreiben ist.
Definition

Was ist Fit-to-Standard?

Der Ansatz entstand mit SAP Activate als Gegenentwurf zur klassischen Fit-Gap-Analyse aus der ASAP-Methodik. Statt Lücken zwischen Standard und Wunschprozess zu sammeln und automatisch zu individualisieren, zeigen Berater in Fit-to-Standard-Workshops zunächst die SAP Best Practices und lassen den Fachbereich beurteilen, ob der Standardprozess passt. Nur wirklich begründete Abweichungen werden als Backlog-Punkt für Entwicklung oder Konfiguration festgehalten.

Relevant ist Fit-to-Standard für jedes S/4HANA-Projekt, ob Public Cloud, Private Cloud oder On-Premise, besonders aber dort, wo Clean Core eine Rolle spielt. Fachbereiche wie Finanzwesen, Einkauf oder Vertrieb sitzen gemeinsam mit Beratung und IT im Workshop und bewerten Prozess für Prozess. Wer aus einer stark individualisierten SAP-ECC-Landschaft kommt, muss sich in diesen Workshops oft von liebgewonnenen Sonderlösungen verabschieden.

In der Praxis laufen Fit-to-Standard-Workshops entlang der Prozessstruktur der SAP Best Practices, meist modulweise mit Vertretern aus dem jeweiligen Fachbereich. Jede Abweichung wird dokumentiert, bewertet und im Backlog priorisiert, statt sofort in Entwicklung zu gehen. Häufige Stolperstelle ist die Erwartungshaltung von Fachbereichen, die aus dem Altsystem gewohnte Sonderregeln unreflektiert fortsetzen wollen, ohne den Aufwand dahinter zu kennen. Bewährt hat sich, den Workshop mit einem kurzen Soll-Ist-Vergleich zu eröffnen, damit alle Beteiligten von derselben Ausgangslage sprechen.

Funktionen

Wie funktioniert Fit-to-Standard?

Im SAP-Activate-Vorgehen findet Fit-to-Standard in der Explore-Phase statt, nach der Grobkonzeption und vor der eigentlichen Realisierung. Berater demonstrieren die vorkonfigurierten SAP Best Practices direkt im System, Fachbereiche bewerten Prozessschritt für Prozessschritt und halten Abweichungen in einer strukturierten Liste fest. Diese Liste bildet die Grundlage für Aufwandsschätzung, Priorisierung und die spätere Realisierungsphase des Projekts.

Im Zusammenspiel mit Customizing bleibt Konfiguration innerhalb des SAP-Standards weiterhin möglich und gewünscht, echte Modifikationen am Coding werden dagegen zur Ausnahme. Die Ergebnisse der Workshops fließen direkt in die Systemkonfiguration und, bei akzeptierten Abweichungen, in Entwicklungsaufträge für In-App- oder Side-by-side-Erweiterungen auf SAP BTP. Ein Lenkungskreis aus Projektleitung und Fachbereichsverantwortlichen entscheidet am Ende jeder Workshop-Runde, welche Abweichung tatsächlich ins Backlog wandert und welche als Wunschliste verworfen wird.

Vorteile
Weniger Individualisierung

Wer im Workshop echte Notwendigkeit statt Gewohnheit prüft, reduziert die Zahl teurer Sonderentwicklungen deutlich.

Schnellere Realisierung

Ein sauber priorisiertes Backlog aus echten Abweichungen lässt sich zielgerichteter umsetzen als eine ungefilterte Wunschliste.

Fachbereich früh eingebunden

Entscheidungen über Prozesse fallen direkt mit den späteren Anwendern, nicht am Reißbrett der IT-Abteilung.

Bessere Upgrade-Fähigkeit

Ein System nah am Standard lässt sich bei Release-Wechseln und Cloud-Umstellungen einfacher pflegen.

Grenzen
Kein Selbstläufer ohne Mandat

Ohne Rückendeckung der Projektleitung drücken Fachbereiche Abweichungen trotzdem durch, der Workshop verkommt zur Formalität.

Erfordert Prozesswissen im Team

Berater müssen die SAP Best Practices im Detail kennen, sonst wirkt die Standarddemonstration unglaubwürdig.

Nicht jede Branche passt eins zu eins

Regulierte oder stark spezialisierte Branchen wie Pharma oder Maschinenbau brauchen an einzelnen Stellen begründete Abweichungen.

FAQ

Häufige Fragen zu Fit-to-Standard

Ist Fit-to-Standard nur etwas für die Public Cloud?
Nein, die Methode gehört zu SAP Activate und wird auch in Private-Cloud- und On-Premise-Projekten genutzt. In der Public Cloud ist sie wegen der eingeschränkten Modifikationsmöglichkeiten am Kern besonders wichtig.
Wie viele Abweichungen vom Standard sind normal?
Eine pauschale Zahl gibt es nicht, sie hängt von Branche und Prozesslandschaft ab. Entscheidend ist, dass jede Abweichung einen dokumentierten fachlichen Grund hat, keine Gewohnheit aus dem Altsystem. Erfahrungsgemäß sinkt die Zahl akzeptierter Abweichungen deutlich, sobald der Fachbereich den Standardprozess live im System sieht statt nur auf Folien.
Wer nimmt an Fit-to-Standard-Workshops teil?
Prozessverantwortliche und Key User aus dem jeweiligen Fachbereich, begleitet von SAP-Beratung und, bei technischen Fragen, der IT. Entscheidungsbefugte Teilnehmer beschleunigen die Freigabe deutlich.
Was passiert mit akzeptierten Abweichungen?
Sie wandern in ein priorisiertes Backlog und werden je nach Aufwand über Customizing, In-App-Erweiterungen oder, bei größerem Umfang, über SAP BTP als Side-by-side-Lösung umgesetzt.
Lohnt sich Fit-to-Standard bei einer Brownfield-Conversion?
Bedingt, weil Prozesse dort meist erhalten bleiben. Sinnvoll ist es trotzdem für Bereiche, die im Zuge der Conversion modernisiert werden sollen, etwa vor einem Wechsel auf SAP S/4HANA Public Cloud.

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Gabriele Görtz, Head of Sales & Growth
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