Pioneering the next step.
SAP Gold Partner

SAP-Wiki

Systemstilllegung

Systemstilllegung bezeichnet das kontrollierte Abschalten eines SAP-Altsystems, meist nach einer Migration auf eine neue Plattform. Vor der Abschaltung werden alle relevanten Daten vollständig archiviert, damit gesetzliche Aufbewahrungsfristen und Prüfungsanforderungen weiter erfüllt bleiben. Erst wenn die Daten gesichert und auswertbar sind, wird das Altsystem endgültig deaktiviert und die Lizenzen können gekündigt werden.
Definition

Was ist Systemstilllegung?

Systemstilllegung wird notwendig, sobald ein Unternehmen mehrere SAP-Systeme dauerhaft parallel betreibt, etwa nach einer Fusion, einer Systemkonsolidierung oder dem vollständigen Umstieg auf SAP S/4HANA. Statt ein Altsystem unbegrenzt weiterlaufen zu lassen, nur um gelegentlich auf historische Daten zugreifen zu können, wird es nach vollständiger Datensicherung endgültig abgeschaltet. Das spart laufende Lizenz-, Wartungs- und Betriebskosten für ein System ohne aktiven Geschäftsbetrieb.

Relevant ist Systemstilllegung für Unternehmen mit Altsystemen aus früheren Übernahmen, ausgelaufenen Werksstandorten oder abgelösten Speziallösungen, besonders im Versorgerumfeld mit langen gesetzlichen Aufbewahrungsfristen für Abrechnungsdaten und Verbrauchswerte. Die Fachbereiche Finanzen, Recht und IT-Sicherheit müssen gemeinsam und verbindlich festlegen, welche Daten wie lange greifbar bleiben müssen, bevor das betreffende System tatsächlich abgeschaltet werden darf und die zugehörigen Lizenzen endgültig gekündigt werden können.

Der Ablauf beginnt mit einer sorgfältigen Bestandsaufnahme aller Datenarten und geltenden Aufbewahrungsfristen, gefolgt von der vollständigen Archivierung sämtlicher relevanter Daten, einer Prüfung der Auswertbarkeit im Archiv und erst danach der technischen Abschaltung des Systems. Stolperstellen aus der Praxis sind übersehene Datenarten außerhalb der Standardmodule, fehlende Nachweise für spätere Betriebsprüfungen und eine zu früh gekündigte Lizenz vor abgeschlossener Archivierung aller relevanten Bereiche und Module.

Funktionen

Wie funktioniert Systemstilllegung?

Technisch basiert die Systemstilllegung auf einer vollständigen, nicht selektiven Archivierung über das Archive Development Kit: Anders als bei der laufenden Datenarchivierung im aktiven Betrieb müssen hier sämtliche Datenbestände lückenlos abgedeckt werden statt nur ein Ausschnitt nach Alter oder Status. Ergänzend kommen häufig Retrieval-Werkzeuge zum Einsatz, die archivierte Daten unabhängig vom ursprünglichen SAP-System durchsuchbar machen, etwa für Steuerprüfer oder interne Revisionen. Erst wenn die vollständige Auswertbarkeit nachgewiesen und dokumentiert ist, folgt die endgültige technische Abschaltung des Systems.

Die 100-Prozent-Archivierung als Grundlage der Stilllegung hängt eng mit dem Testmanagement zusammen: Vor der endgültigen Abschaltung wird der Datenzugriff im Archiv gegen definierte Testfälle geprüft, damit spätere Anfragen aus Betriebsprüfungen oder Rechtsstreitigkeiten auch Jahre später tatsächlich beantwortbar bleiben. SAP-Hinweise und Support Packages für das eingesetzte Archivierungswerkzeug werden dabei ein letztes Mal eingespielt und getestet, bevor das System endgültig vom Netz geht.

Vorteile
Laufende Kosten entfallen

Lizenzen, Wartung und Betrieb eines Altsystems ohne aktiven Geschäftsbetrieb lassen sich nach der Stilllegung vollständig einsparen.

Rechtssicherheit bleibt erhalten

Vollständige Archivierung vor der Abschaltung erfüllt die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen auch ohne laufendes System.

Weniger IT-Komplexität

Jedes abgeschaltete Altsystem reduziert die Anzahl der Systeme, die Patches, Berechtigungen und Betrieb brauchen.

Daten bleiben auswertbar

Retrieval-Werkzeuge machen archivierte Daten auch nach der Stilllegung durchsuchbar, unabhängig vom ursprünglichen SAP-System.

Grenzen
Kein schneller Schnitt

Zwischen Bestandsaufnahme und tatsächlicher Abschaltung liegen oft Monate, weil jede Datenart geprüft und archiviert werden muss.

Aufbewahrungsfristen bestimmen den Zeitpunkt

Manche Datenarten müssen zehn Jahre oder länger greifbar bleiben. Die Stilllegung darf erst erfolgen, wenn diese Fristen im Archiv abgedeckt sind.

Lohnt sich erst bei echtem Parallelbetrieb

Für ein System, das noch aktiv im Tagesgeschäft läuft, ist Systemstilllegung kein Thema. Es geht ausschließlich um Systeme ohne laufenden Geschäftsbetrieb.

Prüfaufwand vor der Kündigung

Wer die Lizenz kündigt, bevor die Archivierung vollständig geprüft ist, riskiert Datenverlust ohne Rückweg. Dieser Schritt verträgt keine Abkürzung.

FAQ

Häufige Fragen zu Systemstilllegung

Was kostet eine Systemstilllegung?
Das hängt von der Datenmenge, der Anzahl unterschiedlicher Datenarten und den individuellen gesetzlichen Aufbewahrungsfristen ab. Eine sorgfältige Bestandsaufnahme vor Projektstart liefert die Grundlage für eine belastbare Aufwandsschätzung und zeigt, welche Datenarten den größten Archivierungsaufwand verursachen und zuerst priorisiert werden sollten.
Kann ich ein Altsystem sofort abschalten?
Nein, erst wenn alle relevanten Daten vollständig archiviert und ihre dauerhafte Auswertbarkeit nachweislich geprüft ist. Eine verfrühte Abschaltung riskiert den unwiederbringlichen Verlust rechtlich vorgeschriebener Nachweise und kann bei einer späteren Betriebsprüfung zu erheblichen, kaum reparierbaren rechtlichen und finanziellen Problemen führen.
Wie lange müssen archivierte Daten aus einem stillgelegten System aufbewahrt werden?
Das richtet sich nach den geltenden gesetzlichen und branchenspezifischen Fristen, etwa im Steuer- oder Handelsrecht. Für Versorgungsunternehmen gelten teils eigene, deutlich längere Aufbewahrungspflichten, die vor der Stilllegung im Detail geprüft, dokumentiert und mit der zuständigen Rechtsabteilung verbindlich abgestimmt werden müssen.
Bleiben archivierte Daten nach der Stilllegung durchsuchbar?
Ja, über spezielle Retrieval-Werkzeuge, die unabhängig vom ursprünglichen SAP-System auf das Archiv zugreifen. Betriebsprüfer und interne Revisionen können damit auch Jahre nach der Abschaltung weiterhin gezielt nach einzelnen Belegen oder Datensätzen suchen, ohne das alte System jemals reaktivieren zu müssen.
Lohnt sich Systemstilllegung auch bei kleinen Altsystemen?
Meist ja, weil auch kleine Systeme laufende Lizenz- und Wartungskosten verursachen, die sich über Jahre summieren. Der Archivierungsaufwand skaliert vor allem mit der Datenmenge, nicht zwingend mit der Systemgröße, weshalb sich eine Prüfung fast immer lohnt, unabhängig von der ursprünglichen Systeminvestition.

Ihr Kontakt

Gabriele Görtz, Head of Sales & Growth
Gabriele Görtz
Head of Sales & Growth

Sprechen Sie mit uns.

Ein Erstgespräch dauert 30 Minuten. Sie können auch direkt mit einem konkreten Thema kommen. Rufen Sie an oder schreiben Sie uns.
Willkommen bei der CPRO Gruppe

Ihr bisheriger Anbieter ist jetzt CPRO. Sie wurden automatisch auf unsere neue Website weitergeleitet. Für Sie ändert sich nur der Markenauftritt: Ihre Verträge behalten ihre Gültigkeit, Ihre Ansprechpartner und die Gesellschaft als Ihr Vertragspartner bleiben unverändert. Wir freuen uns, Sie hier begrüßen zu dürfen!