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CDS Views – Core Data Services

CDS Views, kurz für Core Data Services, sind das zentrale Datenmodell moderner SAP S/4HANA-Anwendungen. Sie definieren Datenzugriff, Berechnungen und Berechtigungen direkt in der HANA-Datenbank und liefern die Grundlage für Fiori-Apps und Embedded Analytics. Entwickler und Reporting-Verantwortliche greifen darüber auf Geschäftsdaten zu, ohne eigene Datenbankabfragen zu schreiben.
Definition

Was ist CDS Views?

Core Data Services, kurz CDS Views, sind das Datenmodell der SAP-Entwicklung seit den frühen S/4HANA-Releases. Statt Logik in ABAP-Programmen zu verstecken, definieren CDS Views Tabellen, Beziehungen und Berechnungen direkt in der HANA-Datenbank. SAP legte damit die technische Basis für Fiori-Apps, Embedded Analytics und die neuen Business-Objekte des Systems. Wer heute im S/4HANA-Umfeld entwickelt oder Berichte baut, trifft zwangsläufig auf CDS Views, als Entwickler wie als Fachanwender im Reporting.

Relevant sind CDS Views für Entwickler, die Erweiterungen bauen, für BI-Verantwortliche, die Auswertungen ohne separates Data Warehouse brauchen, und für Basis-Teams, die Berechtigungen auf Datenebene steuern. Der Systemkontext ist S/4HANA on-premise ebenso wie die Cloud-Editionen, denn CDS Views laufen direkt auf der HANA-Datenbank und nutzen deren Rechenleistung. In Fiori-Apps liefern sie die Daten über OData-Services aus, in Embedded-Analytics-Szenarien versorgen sie Kacheln und Berichte in Echtzeit.

Der Einstieg gelingt über die Eclipse-basierten ABAP Development Tools, in denen CDS Views mit der deklarativen Sprache DDL definiert werden. Typische Stolperstellen aus der Projektpraxis: zu viele verschachtelte Views verschlechtern die Performance, fehlende Autorisierungsobjekte hebeln den Berechtigungsschutz aus, und wild gewachsene Eigenentwicklungen ohne Namenskonvention erschweren spätere Upgrades. Wer CDS Views sauber dokumentiert und auf wenige Ebenen begrenzt, spart sich Aufräumarbeiten bei jeder späteren S/4HANA-Umstellung.

Funktionen

Wie funktioniert CDS Views?

Technisch bestehen CDS Views aus mehreren Ebenen: Basic Interface Views lesen Rohdaten aus Tabellen, Composite Views verknüpfen mehrere Quellen, Consumption Views bereiten das Ergebnis für Fiori-Apps oder Analyse-Tools auf. Annotationen steuern, wie Daten dargestellt werden, welche Aggregationen möglich sind und welche Berechtigungsprüfung greift. Die Verarbeitung läuft vollständig in der HANA-Datenbank, sogenanntes Code Pushdown verlagert Berechnungen von der Applikationsschicht in die Datenbank und reduziert den Datenverkehr zwischen den Schichten.

Nach außen sprechen CDS Views über OData-Services mit Fiori-Apps und mit Anwendungen, die per Side-by-side-Extensibility auf der SAP BTP angebunden sind. Nach innen liefern sie die Datengrundlage für Embedded Analytics und für Auswertungswerkzeuge im Umfeld der SAP Analytics Cloud. Auch klassische ABAP-Programme können CDS Views wie normale Datenbanktabellen ansprechen, wodurch alte und neue Entwicklungswelt im selben System nebeneinander bestehen.

Vorteile
Echtzeitdaten

Auswertungen laufen direkt auf den Live-Daten der HANA-Datenbank. Ein separates Extrahieren in ein Data Warehouse entfällt für viele Standardberichte.

Weniger Redundanz

Logik liegt einmal im CDS View statt mehrfach in verschiedenen Programmen verstreut. Änderungen wirken sich zentral aus, ohne jede Anwendung einzeln anzufassen.

Direkte Fiori-Anbindung

CDS Views liefern über OData-Services die Datenbasis für Fiori-Apps ohne zusätzliche Zwischenschicht. Neue Apps entstehen dadurch schneller.

Feingranulare Berechtigung

Annotationen erlauben Berechtigungsprüfung bis auf Feldebene, direkt im Datenmodell. Das reduziert die Zahl separater Berechtigungsobjekte im Code.

Code Pushdown

Rechenintensive Logik wandert in die Datenbank statt in die Applikationsschicht. Das entlastet den Anwendungsserver bei großen Datenmengen.

Grenzen
Lernkurve für ABAP-Teams

Die deklarative DDL-Sprache unterscheidet sich deutlich vom klassischen ABAP-Programmierstil. Teams ohne S/4HANA-Erfahrung brauchen Einarbeitungszeit.

Verschachtelung als Performance-Falle

Zu viele übereinandergestapelte Composite Views verlangsamen Abfragen spürbar. Wer nicht aufräumt, handelt sich mit der Zeit träge Berichte ein.

Kein Ersatz für ein Data Warehouse

Für historische Auswertungen über mehrere Jahre oder systemübergreifende Analysen bleibt ein Data Warehouse wie SAP Datasphere die passendere Wahl.

Governance nötig

Ohne Namenskonvention und Reviewprozess wächst schnell eine unübersichtliche Zahl an Eigenentwicklungen. Das erschwert spätere Release-Wechsel.

FAQ

Häufige Fragen zu CDS Views – Core Data Services

Muss ich CDS Views können, um S/4HANA zu nutzen?
Als reiner Fachanwender nicht, denn CDS Views arbeiten im Hintergrund und liefern nur die Datenbasis für Apps und Berichte. Wer aber Erweiterungen entwickelt, eigene Fiori-Apps baut oder Auswertungen über den Standard hinaus braucht, kommt an CDS Views kaum vorbei. Für Entwickler gehören sie inzwischen zum Grundhandwerkszeug jeder S/4HANA-Landschaft.
Was ist der Unterschied zwischen CDS Views und klassischen ABAP-Views?
Klassische Views aus der Transaktion SE11 lesen nur Tabellen aus, ohne weitere Logik. CDS Views bringen zusätzlich Annotationen für Berechtigungen, Aggregationen, Texte und Anzeigeformate mit und bilden damit die Basis moderner Fiori-Apps. In der Praxis übernehmen CDS Views deshalb schrittweise die Rolle, die früher klassische Views hatten, ohne sie technisch vollständig abzulösen.
Laufen CDS Views auch mit SAP ECC?
Nur eingeschränkt. Die volle Funktionsbreite mit Code Pushdown, HANA-Optimierung und den neuen Annotationen braucht S/4HANA und eine SAP-HANA-Datenbank darunter. Auf älteren ECC-Releases ohne HANA fehlt die technische Grundlage dafür, dort arbeiten Entwickler weiterhin mit klassischen Views und ABAP-Programmierung statt mit CDS Views.
Wie viel Aufwand steckt in der Entwicklung eigener CDS Views?
Das hängt stark von der Komplexität der Datenquellen und der Zahl der verschachtelten Ebenen ab. Einfache Consumption Views für eine einzelne Tabelle entstehen oft in wenigen Tagen. Komplexe Berichtsmodelle mit mehreren Composite Views, Berechtigungsprüfungen und Aggregationen brauchen entsprechend mehr Abstimmung mit dem Fachbereich und zusätzliche Testzyklen vor dem Einsatz.
Lohnt sich eine Migration alter Views auf CDS?
Für aktiv genutzte, performancekritische Auswertungen lohnt sich der Umstieg meist, weil CDS Views Code Pushdown und moderne Berechtigungsprüfung mitbringen. Für selten genutzte Altprogramme, die ohnehin bald durch eine Neuentwicklung abgelöst werden, lohnt sich der Aufwand oft nicht. Eine Priorisierung nach tatsächlicher Nutzung schafft hier vorab Klarheit.

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Gabriele Görtz, Head of Sales & Growth
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