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Zeitwirtschaft (SAP Time Management)

Die Zeitwirtschaft ist die Komponente in SAP HCM, die Arbeitszeiten erfasst, bewertet und an die Abrechnung übergibt. Sie unterscheidet Positiv- und Negativerfassung, rechnet Zuschläge, Salden und Kontingente über Regelwerke aus und liefert die Stunden, aus denen die Entgeltabrechnung anschließend Beträge macht.
Definition

Was ist Zeitwirtschaft?

Der Kern ist die Zeitauswertung. Der Treiber RPTIME00, aufgerufen über die Transaktion PT60, läuft in der Regel nachts und arbeitet ein Schema ab, das aus Personalrechenregeln besteht. Diese Regeln entscheiden, was als Mehrarbeit gilt, welcher Zuschlag greift, wie Pausen abgezogen werden und wie sich Gleitzeitsalden entwickeln. Die Eingangsdaten liegen im Cluster B1, die Ergebnisse im Cluster B2. Von dort holt die Abrechnung die Zeitlohnarten ab, allerdings nur als Stunden. Bewertet, also in Euro umgerechnet, wird erst in der Entgeltabrechnung.

Wie erfasst wird, hängt am Zeiterfassungsstatus im Infotyp 0007. Bei der Positiverfassung werden alle Ist-Zeiten gemeldet, typischerweise über Terminals, deren Zeitereignisse im Infotyp 2011 landen. Bei der Negativerfassung gilt der Sollplan als gearbeitet, gemeldet werden nur Abweichungen, also Abwesenheiten im Infotyp 2001 und Anwesenheiten im Infotyp 2002. Kontingente wie Urlaubsansprüche führt der Infotyp 2006. Für die Zuordnung von Zeiten auf Projekte, Aufträge und Kostenstellen dient das Arbeitszeitblatt CATS, das die Daten anschließend an CO, PS und die Instandhaltung weitergibt.

Rechtlich ist die Lage klarer, als viele denken, aber anders, als oft behauptet wird. Seit dem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 sind Arbeitgeber bereits heute verpflichtet, Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit zu erfassen. Das Gericht leitet diese Pflicht aus dem Arbeitsschutzgesetz ab. Eine elektronische Erfassung ist dabei nicht zwingend, auch Papier kann genügen. Ein Gesetz, das die elektronische Form vorschreibt, gibt es bis heute nicht: Dazu liegt seit Juni 2026 ein Referentenentwurf vor, mehr nicht.

Funktionen

Wie funktioniert Zeitwirtschaft?

Die Schemata sind vorgefertigt, aber selten unverändert im Einsatz. TM00 verarbeitet Zeiten mit Uhrzeiten, also Kommen und Gehen aus dem Terminal. TM04 arbeitet ohne Uhrzeiten und verkraftet sowohl reine Stundenmeldungen als auch Negativerfassung. TM01 deckt die reine Negativerfassung ab, bei der nur Abweichungen gemeldet werden. Angepasst wird über Personalrechenregeln im Editor PE02 und über die Schemapflege in PE01. Genau hier entsteht die Individualität, die eine Ablösung später teuer macht.

Terminals binden sich über die Schnittstelle HR-PDC an. Zeitereignisse laufen als IDoc in die Schnittstellentabelle CC1TEV und werden von dort in den Infotyp 2011 übernommen, gesteuert über die Transaktion PT80. Wer nach SAP HCM for SAP S/4HANA wechselt, muss hier hinsehen: Die alte Terminalschnittstelle KK1 wird dort nicht mehr unterstützt, die Umstellung auf HR-PDC ist Pflicht.

Vorteile
Bewertet, statt nur zu erfassen

Zuschläge, Schichtfolgen, Pausenregeln und Gleitzeitkonten rechnet die Zeitauswertung regelbasiert aus, statt sie in der Abrechnung von Hand nachzuführen.

Tarifverträge lassen sich abbilden

Über Personalrechenregeln bekommt praktisch jede Betriebsvereinbarung und jeder Haustarif eine maschinelle Entsprechung.

Direkter Draht zur Abrechnung

Die Ergebnisse landen als Zeitlohnarten im Cluster B2 und werden von der Entgeltabrechnung ohne Zwischenschritt übernommen.

Kosten landen am richtigen Objekt

Über CATS fließen Zeiten an Projekte, Aufträge und Kostenstellen weiter und lösen dort die innerbetriebliche Leistungsverrechnung aus.

Grenzen
Schemata und Regeln sind Spezialistensache

Personalrechenregeln sind eine eigene, sehr maschinennahe Sprache. Wer sie beherrscht, ist selten, und gewachsene Regelwerke versteht oft nur noch eine einzige Person im Haus.

Die Ablösung ist der teure Teil

Genau die individuell gebaute Bewertungslogik macht den Wechsel nach SuccessFactors aufwendig. Bei stark individuellen Haustarifen führt kein Weg an einer Fit-Gap-Analyse vorbei.

Rechtslage wird oft falsch dargestellt

Die Erfassungspflicht besteht seit 2022, die elektronische Pflicht dagegen nicht. Wer ein Projekt mit einem angeblich beschlossenen Gesetz begründet, argumentiert mit einem Entwurf.

FAQ

Häufige Fragen zu Zeitwirtschaft (SAP Time Management)

Ist die elektronische Zeiterfassung inzwischen Pflicht?
Nein. Verpflichtend ist seit dem BAG-Beschluss von 2022, Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit zu erfassen. Die Form schreibt das Gericht nicht vor, auch Papier kann genügen. Ein Gesetz zur elektronischen Pflicht liegt seit Juni 2026 als Referentenentwurf vor, beschlossen ist es nicht.
Kann SuccessFactors die klassische SAP-Zeitwirtschaft ersetzen?
In vielen Fällen ja. SAP SuccessFactors Time Tracking bringt mit der Time Valuation eine eigene Regel-Engine für Zuschläge, Schichten und Arbeitszeitkonten mit. Bei stark individuellen Haustarifen und komplexen Schichtmodellen bleibt eine Fit-Gap-Analyse trotzdem Pflicht, dazu gehen die Erfahrungsberichte auseinander.
Wie lange läuft SAP HCM noch?
Das klassische SAP ERP HCM folgt den Fristen der Business Suite 7, also Wartung bis Ende 2027 und optional verlängert bis Ende 2030. SAP HCM for SAP S/4HANA ist der On-Premise-Nachfolger und hängt an der Wartungszusage für SAP S/4HANA, die bis Ende 2040 reicht.
Muss der Betriebsrat mitreden?
Ja, in aller Regel. Ein Zeitwirtschaftssystem ist eine technische Einrichtung, die zur Verhaltens- und Leistungskontrolle geeignet ist, und fällt damit unter die Mitbestimmung nach dem Betriebsverfassungsgesetz. Auch die Lage der Arbeitszeit ist mitbestimmungspflichtig. Eine Betriebsvereinbarung ist praktisch unumgänglich.

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Gabriele Görtz, Head of Sales & Growth
Gabriele Görtz
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